Anlässlich des 80. Geburtstages von Franz Kafka fand am 27. und 28. Mai 1963 im Schloss Liblice bei Prag eine internationale Kafka-Konferenz statt. Unter dem Titel “Franz Kafka aus Prager Sicht” hatte der tschechoslowakische Schriftstellerverband zu einer internationalen Tagung eingeladen. An dieser Tagung nahmen Literaturwissenschaftler:innen aus der Tschechoslowakei, Österreich, der DDR, Frankreich, Ungarn, Polen und Jugoslawien teil. In den Beiträgen wurde um die Deutung Kafkas gestritten – es stand die Frage im Raum, ob Kafka dem sozialistischen Kanon zugerechnet werden könne. An der Kategorie der Entfremdung wurde der gesellschaftskritische Gehalt von Kafkas Texten diskutiert – und ob diese Kritik auch für die sozialistischen Verhältnisse gelten müsse. Im Nachhinein wurde immer wieder eine Verbindungslinie zwischen Liblice 1963 und dem Prager Frühling 1968 gezogen.
Diese Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge erzählt von der Kafka-Konferenz von 1963. Zu Wort kommen dabei Frieder Stange und Maximilian Huschke, die an der Vorbereitung eines Seminars zur Kafka-Konferenz in der Translib Leipzig beteiligt waren. Mit einem Exkurs zum Prager Fühling ist außerdem der Historiker Bernd Gehrke zu hören.
Musik: Zbyněk Vostřák – Smyccovy Kvartet / String Quartet No. 4 | Jazz Q – Pozorovatelna | Jazz Q – Citadela
Zum Weiterhören
- Bernd Gehrke – 1968 in der DDR, ČSSR und Polen [æ]
- Wutpilger Streifzüge – 05/2026 – Surrealismus in der ČSR
Zum Weiterlesen
- Tschechoslowakische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Franz Kafka aus
Prager Sicht, Prag 1965 - Jürgen Danyel: Kafka und der Prager Frühling. Die Konferenz in Liblice 1963 und ihre Folgen, Zeitgeschicht Online (2018)
- Alexander Friedman: ‚Prager Frühling‘ (1968) als ‚zionistische Verschwörung‘. Der Fall Eduard Goldstücker (1913–2000), in: Medaon, Magazin für jüdisches Leben in Bildung und Forschung, Ausgabe 12 / 2018 (PDF)
