„Die Spartakusrevolte scheiterte. Den Revoltierenden gelang es nicht, die Symbole der Macht an sich zu reißen, geschweige denn deren Instrumente. Als die Revolte beendet wurde, war klar, dass sie in erheblichem Maße genau der Macht genutzt hat, gegen die sie losgeschlagen hatte. Nicht nur, weil in den zehn Tagen der Kämpfe das Berliner Proletariat einen großen Teil seiner Kämpfer und fast die gesamte Führung verloren hatte, nicht nur, weil die Organisationsstrukturen der Klasse zu existieren aufgehört hatten, sondern auch, weil diejenige Suspendierung der historischen Zeit und diejenige Entladung eingetreten war, die für die Machthaber unerlässlich sind, um die normale Zeit wiederherzustellen, die sie selbst während der vier Kriegsjahre suspendiert hatten.“ (Furio Jesi)
Im letzten Jahr ist im Verlag Matthes und Seitz ein Buch erschienen, das sich mit dem Komplex von Revolution und Revolte, Kampf und Opfertod, Aufstand und Mythos auseinandersetzt: „Spartakus – Symbologie der Revolte“ von Furio Jesi (1941-1980). Es wurde Ende der 1960er Jahre verfasst, erst posthum entdeckt und liegt nun erstmals in einer deutschen Übersetzung vor. Diese Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge will sich dem Spartakus-Buch von Furio Jesi annähern. Es geht um den Begriff des Mythos, um den Unterschied von Revolte und Revolution, um verschiedene Weisen der Zeiterfahrung, um die Symbole der Macht und um die Dämonen, denen die Aufständischen zu unterliegen drohen. Dazu kommen Cinzia Rivieri und Frank Engster zu Wort, die das Buch aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt haben. Die Zitate von Furio Jesi sprach Tina Klatte. Musik: Luciano Berio | Juan Hidalgo.
Zum Weiterlesen
- Furio Jesi – Spartakus. Symbologie der Revolte (Matthes & Seitz)
- Frank Engster / Cinzia Rivieri – Wer ist Furio Jesi?
- Giorgio Chiappa – Furio Jesi Was a Socialist Who Explained the Power of Myth (Jacobin)
Zum Weiterhören
